Menge trifft Habeck

Winsener Anzeiger vom Mittwoch, 17. April 2019

Grüne Prominenz war zu Gast

Besuche in Betrieben, ein Bummel durch die City und eine Rede im Marstall waren die Programmpunkte des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck.

VON FRANZIS WABER

Winsen. Prominente Wahlkampf-Unterstützung bekam Winsens Bürgermeisterkandidatin Susanne Menge (Grüne) jetzt vom Bundesvorsitzenden ihrer Partei. Robert Habeck, der seit Januar 2018 gemeinsam mit Annalena Baerbock an der Spitze der Partei steht, bummelte gemeinsam mit Menge und vielen Fans durch die Winsener Fußgängerzone, kam ins Gespräch mit Passanten und Unternehmern und begeisterte mit einer Rede zur Europawahl im Marstall.

Einen halben Tag hatte Habeck für die Untersützung von Menge in Winsen reserviert. Nach dem Besuch im Autohaus Wahl ging es in Richtung Innenstadt, wo er mit Bäckermeister Frank Soetebier zusammentraf. Der berichtete nicht nur von seinen Bemühungen, Flüchtlinge auszubilden und der ungewissen Zukunft, die die künftigen Bäcker erwartet, die demnächst ihre Ausbildung beenden, sondern auch von Problemen, mit denen er sich konfrontiert sieht, wenn er regionale Lebensmittel für seinen Betrieb einsetzen möchte. Milch etwa vom Bauerhof nebenan verbietet sich für die Produktion, weil es sich um Rohmilch handelt. Dass sie bei der Verabeitung erhitzt wird, interessiert den Gesetzgeber nicht. Von ganz normalen Probleme, mit denen sich kleine Unternehmen herumschlagen müssen, berichteten auch Birgit Hausmann in der Buchhandlung Decius und die Martkbeschicker auf dem Winsener Wochenmarkt, mit denen Habeck bei seinem Bummel durch die Luhestadt schnell ins Gespräch kam. Literaturtipps gab es vom Doktor der Philosophie, der mit einer Arbeit über literarische Ästhetik promovierte, kostenlos dazu: „‘Die Bücherdiebin’ müssen Sie unbedingt lesen“, empfahl der Politiker nicht nur Susanne Menge, als er das Buch in der Buchhandlung entdeckt. Die hatte natürlich auch einen Tisch mit Habecks eigenen Romanen vorbereitet, an dem der Bundesvorsitzende gern einige Exemplare signierte.

Weiter ging es auf den Wochenmarkt, wo ein Mitglied der Guttempler ihn kurz in den Saal des Ordens entführte und wo Habeck mit den Marktbeschickern über Arbeitszeiten plauderte. Beeindruckt zeigte sich der Politiker über die Offenheit, mit der ihm die Winsener Geschäftsleute und Bürger begegneten. „Winsen ist sowas von voll da“, so sein Fazit. Wenn man das Interesse und die En – ergie, das ihm bei seinem Besuch begegnete, für die Stadtgesellschaft umsetzen könne, sei die Zukunft der Stadt gesichert, so seine Einschätzung.

Begeistert zeigte sich auch Susanne Menge angesichts eines mit weit über 200 Neugierigen mehr als gut gefüllten Marstalles, wo die Winsener gespannt auf die Bürgermeisterkandidatin und ihren prominenten Wahlhelfer warteten. „Damit habe ich eine Wette gewonnen“, strahlte Menge, denn es habe vor der Veranstaltung Stimmen gegeben, die vorausgesagt hätten, dass man den Marstall am frühen Nachmittag mit Habeck sicherlich nicht füllen könne. Die Winsener begrüßten Habeck und Menge mit Begeisterung und Riesenapplaus. Den gab es auch für die Antworten auf die Fragen der Winsener, unter anderem zur Zukunft der Mobiliät. Dabei gab es von den Zuhörern nicht nur Lob, sondern auch Kritik an der Grünen-Politik, die Habeck mit viel Humor beantwortete. Immerhin konnte er auf die Frage, wie er von Hamburg nach Winsen gekommen sei, antworten, dass er mit einem Elektromobil abgeholt worden sei und auch die skeptische Frage, ob die Stromversorgung zusammenbrechen würde, wenn in Deutschland nur noch E-Autos fahren, die alle gleichzeitig an die Steckdose müssen, parierte der Bundesvorsitzende mit einem strahlenden Lächeln: „Wenn Sie heute alle gleichzeitig ihren Staubsauger einschalten, bricht die Stromversorgung vermutlich auch zusammen. Aber nicht alle Menschen saugen gleichzeitig“, so Habeck.

In Sachen Nahverkehr in der Luhestadt hatte er für die Zuhörer einen Tipp zur Bürgermeisterwahl Ende Mai parat: „Wenn Susanne Menge Bürgermeisterin in Winsen wird, bekommen Sie eine Verkehrsinfrastruktur, die treibt ihnen die Freundentränen in die Augen“, versprach er für seine Kollegin.

LarsWirnhier
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